Glücksspielsucht erkennen und Hilfe finden – Informationen für Betroffene und Angehörige
Glücksspielsucht entwickelt sich oft langsam – und bleibt deshalb lange unbemerkt. Ob Spielautomaten, Sportwetten, Online Casinos, Lotto oder klassische Casinospiele wie Roulette und Black Jack: Viele Menschen rutschen schrittweise in ein Spielverhalten, das schwer zu kontrollieren ist. Die Folgen betreffen nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Angehörigen. Auf dieser Seite erfahren Sie verständlich, wie Glücksspielsucht entsteht, welche Warnsignale wichtig sind und wo Betroffene und Angehörige passende Unterstützung finden.
Was sind Glücksspiele und Geldspiele?
Glücksspiele sind Geldspiele, bei denen Gewinne und Verluste vom Zufall abhängen. Der Ausgang lässt sich nicht beeinflussen und hat nichts mit Können oder Talent zu tun. Ob eine Spielerin oder ein Spieler gewinnt oder verliert, entscheidet allein der Zufall. Dabei geht es um echtes Geld. Beispiele sind Lotto, Spielautomaten, Sportwetten oder Casinospiele wie Roulette und Black Jack. Einige Geldspiele – zum Beispiel Poker – enthalten Anteile von Strategie und Geschicklichkeit. Hier kann das erlernte Können den Verlauf des Spiels teilweise beeinflussen. Trotzdem bleibt der Ausgang nie vollständig kontrollierbar. Auch bei solchen Spielen entscheidet letztlich der Zufall mit.
Heute können fast alle Geldspiele auch online gespielt werden. Zudem enthalten immer mehr Videogames Glücksspiel-Elemente, die auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar sind – zum Beispiel Lootboxen (lesen Sie hier mehr zum Thema Gaming). Der Schutz der Spielerinnen und Spieler ist dabei nicht immer gewährleistet. Besonders im Internet fehlen oft klare Kontrollen, und Risiken werden leicht unterschätzt.
Was ist Glücksspielsucht?
Glücksspielsucht ist eine Verhaltenssucht, bei der das Spielverhalten ausser Kontrolle gerät. Betroffene verspüren ein starkes Verlangen zu spielen, setzen immer mehr Geld ein und können nicht mehr aufhören – obwohl das Spielen Probleme verursacht. Hobbys, Beziehungen und Verpflichtungen werden vernachlässigt. Die Sucht kann sich langsam entwickeln und bleibt oft lange unbemerkt.
Wie entsteht eine Glücksspielsucht?
Die Entwicklung einer Glücksspielsucht passiert meistens schleichend über mehrere Jahre und in mehreren Phasen:
Positiver Einstieg: Erste Gewinne lösen Glücksgefühle aus. Viele glauben, sie hätten Glück oder Talent – das motiviert zum Weiterspielen.
Verstärktes Spielverhalten: Das Spielen wird zur Gewohnheit. Verluste häufen sich, doch viele hoffen, das verlorene Geld durch weiteres Spielen zurückzugewinnen. Die Gedanken kreisen ständig ums Spiel, Probleme werden verdrängt.
Abhängigkeit: Das Spiel wird zum Zwang. Betroffene verlieren die Kontrolle, verspielen ihr Geld und belügen ihr Umfeld. Die Sucht bestimmt den Alltag.
Spielsucht Symptome – woran erkennt man eine Sucht?
Typische Anzeichen einer Spielsucht sind:
- Starkes Verlangen zu spielen (Craving)
- Verlust der Kontrolle über das Spielverhalten
- Spielen trotz negativer Folgen (z. B. Schulden, Streit)
- Vernachlässigung von Familie und Beziehungen, Arbeit oder Schule, von Hobbys und Interessen
- Das Spielen wird zum Lebensmittelpunkt
- Entzugssymptome bei Spielpause
- Lügen über das Spielverhalten
- Fehlendes Geld, ohne ersichtlichen Grund
Hilfe und Informationen: sos-spielsucht.ch
Informationen zu Spielsperren: Spielsperren – sos-spielsucht.ch
Beratung und Therapie bei Spielsucht: spielsucht-radix.ch
Telefonberatung (24/7, kostenlos, anonym): 0800 040 080
Budgetberatung: Budgetberatung.ch
Schuldenberatung: Caritas-schuldenberatung.ch
Langzeitfolgen und Auswirkungen der Glücksspielsucht
Für die betroffenen Menschen steht das Spielen im Zentrum ihres Alltags. Häufig bringen sie sich und ihre Familie als Folge ihrer Glücksspielsucht in eine schwierige finanzielle Situation. Zudem verlieren sie den Bezug zur Realität und leugnen ihr Problem. Glücksspielsucht kann zu verschiedenen Problemen führen:
- Finanziell: Schulden, Kredite, Geldnot
- Psychisch: Stress, Erschöpfung, Depressionen, Suizidgedanken, Angst, Schlafstörungen
- Sozial: Streit, Isolation, Vertrauensverlust, familiäre Probleme
- Arbeit: Konzentrations- und Leistungsstörungen
- Körperlich: Appetitlosigkeit, Schweissausbrüche, Unruhe, Magen-Darm-Beschwerden
Machen Sie sich Sorgen um das Spielverhalten einer Person aus Ihrem Umfeld?
Die Spielsucht einer Person belastet auch deren Familie und Freunde. Selbstfürsorge, klare Grenzen und offene Gespräche sind wichtig für Angehörige im Umgang mit Menschen mit einer Geldspielsucht. Wie dies gelingt und wo Angehörige Hilfe finden, erfahren Sie auf den folgenden Websites.
Fragen und Antworten für Eltern, Partner und Partnerinnen, Brüder, Schwestern: sos-spielsucht.ch
Dos und Don’ts: safer-gambling.ch
Weiterführende Informationen zu Geldspielen und Glücksspielsucht
- Zahlen und Fakten zu Geldspielen: suchtschweiz.ch
- Zahlen und Fakten zu Internet, Geldspiel und Kaufen: monam.ch
Ihre Fragen und unsere Antworten zum Thema Glücksspielsucht
Hallo was hilft am Besten gegen spielsucht? Danke
Wie kann ich meinem spielsüchtigen Schwager helfen? Er hat sich von seinen Eltern und gemeinsamen Freunden Geld geliehen. Meine Schwester hat mir ihr Herz ausgeschüttet. Er hat zwar einen Termin in der Suchtberatung, aber wir befürchten, dass er das wichtigste dort verschweigen wird.
Ich will.nicht mehr spilen aber ich kan nicht aufhören
Selbsthilfe-Tools zur Unterstützung bei Glücksspielsucht
Informationen, Tipps und eine App, um das eigene Spielverhalten besser zu verstehen und zu kontrollieren. Für Spielende und Angehörige.
Webportal mit Informationen zu Spielsucht, Telefonberatung und Andressen von Hilfsangeboten.
Anonymer, 8-wöchiger Online-Kurs bei Problemen mit Glücksspiel.